7. Die EVP – verlässliche Partnerin für eine ausgewogene Sozialpolitik

Im christlichen Menschenbild hat nicht nur der Starke und Tüchtige, sondern auch der Schwache den gleichen Wert als Person.

“Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.” (Matthäus 25, 40)

7.1. Armut bekämpfen

Immer mehr Familien und Einzelpersonen in unserem Land sind von Armut betroffen. Hier gilt es, mit geeigneten allgemeinen Massnahmen die Ursachen der Armut zu bekämpfen und im Einzelfall gezielt zu helfen.

Dafür steht die EVP ein:

  • Existenzsichernde Löhne, wenn nötig Ergänzungszahlungen durch Ausgleichskassen (unter Ein-bezug der Arbeitgeber)
  • Steuerbefreiung des Existenzminimums durch Erhöhung des Sozialabzugs
  • Abbau der psychologischen Hürden für den Bezug von rechtmässig zustehenden Sozialleistungen
  • Sicherung des sozialen Existenzminimums bei Alter und Invalidität durch ein Zusammenwirken von Sozialversicherungsleistungen, Ergänzungsleistungen und Beihilfen
  • Ausbau von Beschäftigungs- und Förderprogrammen für Erwerbslose
  • Ausgleich der unterschiedlichen Soziallasten unter den Gemeinden.

7.2. Kinder und Jugendliche ernst nehmen

Kinder und Jugendliche sind die Verantwortungsträger von morgen. Dem Aufbau ihrer Kompetenzen, vor allem der nicht messbaren sozialen, ist grösste Aufmerksamkeit zu schenken. Die EVP tut dies unter anderem auch selbst, indem sie jungen Menschen die Möglichkeit zur Mitwirkung in der Jungen EVP *jevp oder in der Partei selbst gibt.

Dafür steht die EVP ein:

  • ” Motivierung für ein politisches Engagement
  • ” Förderung einer partizipativen Jugendkultur (Jugendgruppen, Jugendhäuser, Jugendaktionen)
  • ” Vereinfachter Zugang zu Sportplätzen und Freizeitanlagen
  • ” Zeitgemässe Gemeinschaftszentren mit niederschwelligen Betreuungsangeboten.

7.3. Die Würde im Alter wahren

Gemäss der demographischen Entwicklung werden immer mehr Hochbetagte unter uns leben. Sie sollen ein differenziertes Angebot an Wohn-, Betreuungs- und Pflegemöglichkeiten vorfinden, so dass ihre persönliche Lebensqualität so lange wie möglich erhalten bleibt. Quartierbezogene Wohnkonzepte, altersgerechte Wohnungen, ambulante Dienstleistungen für Betreuung, Beratung und Pflege machen es älteren Menschen möglich, so lange wie möglich zu Hause zu leben.

Für Menschen mit Demenz, die auf eine geschützte Umgebung angewiesen sind, sind Wohnplätze sowie Tages- und Temporärheime als Entlastung für pflegende Angehörige bereitzustellen. Dasselbe gilt für Menschen mit sozialen und psychischen Problemen.

In den Institutionen der Altersbetreuung soll nach den Grundsätzen der Palliativ Care gearbeitet werden.

Dem Nachwuchs der Pflegefachleute in allen Leistungsstufen ist hohe Aufmerksamkeit zu schenken, damit die Attraktivität der pflegerischen Arbeit gesteigert werden kann.

7.4. Solidarität unter den Generationen pflegen

Rege Kontakte zwischen der jüngeren und der älteren Generation bereichern beide Seiten und fördern das gegenseitige Verständnis.

Die EVP fordert:

  • Förderung von Kontakten und Erfahrungsaustausch zwischen jungen und alten Menschen in den Schulen aller Stufen
  • Förderung gegenseitiger Nachbarschaftshilfen zwischen jungen Familien und älteren Menschen
  • Sozialeinsätze zu Gunsten von alten Menschen gegen Entschädigung
  • Breites Angebot von Wohnformen für alte Menschen u.a. auch in altersdurchmischten Siedlungen.

7.5. Menschen mit Behinderungen integrieren

Menschen mit körperlicher Behinderung wie auch Menschen mit geistiger oder psychischer Behinderung sind Vollmitglieder unserer Gesellschaft und haben wie andere Anspruch auf Eigenraum, Selbst-bestimmung und Mitverantwortung. Wo nötig haben sie zudem Anspruch auf angepasste Hilfe.

Die EVP fordert:

  • Weitgehende Integration der Menschen mit Behinderungen in die normale Berufswelt und in das gesellschaftliche Leben
  • Geschützte und auf den Behinderungsgrad abgestimmte Ausbildungs-, Integrations- und Arbeits-plätze
  • Individuell angepasste behindertengerechte Wohnmöglichkeiten, wenn nötig mit Assistenzdiensten
  • Förderung des Bonus-/Malus-Systems für Betriebe, die für behinderte Mitmenschen Arbeitsplätze schaffen
  • Behindertengerechten öffentlichen Strassenraum mit entsprechendem Grobwegnetz über den ganzen Kanton
  • Ausgestaltung des öffentlichen Verkehrs für mobilitätsbehinderte Menschen.

7.6. Die Frauenarbeit voll anerkennen

Frauen tragen nach wie vor die Hauptlast der Hausarbeit und der familiären Betreuung. Entsprechend schwächer ist ihre Stellung im Erwerbsleben. So geht die Hälfte der erwerbstätigen Frauen einer Teil-zeitarbeit nach, bei den Männern sind es deutlich weniger. Daraus resultieren Benachteiligungen, die mit geeigneten Massnahmen zu vermindern sind.

Die EVP verlangt:

  • Zugang der Frauen zu allen Berufen und Durchsetzung des Prinzips “Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit”
  • Förderung von Arbeitszeitmodellen, welche eine bessere Aufteilung der Familienarbeit zwischen Mann und Frau und die Weiterführung der Berufstätigkeit der Familienfrau ermöglichen
  • Bessere Berücksichtigung der Zusatzkosten der Fremdbetreuung der Kinder bei den Steuern.

7.7. Freiwilligenarbeit anerkennen

Freiwilligenarbeit ist eine sinnvolle Möglichkeit, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Sie ist zur gesellschaftlichen Notwendigkeit geworden und wird künftig an Bedeutung gewinnen. Sie soll deshalb in ihrer ganzen Vielfalt anerkannt, unterstützt und gefördert werden.

Die EVP verlangt:

  • Öffentliche Anerkennung, Beratung und Schulung von freiwillig Tätigen
  • Einrichtung von Koordinationsstellen, Informationsdrehscheiben und Netzwerken
  • Förderung von Trägerschaften
  • Steuerabzugsmöglichkeit für die geleisteten Dienste im Sinne von “Zeitspenden” analog zu Geld-spenden
  • Gutschrift für geleistete Dienste bei AHV und Sozialversicherungen
  • Freiwilligenarbeit nicht durch staatliche Regulierungen behindern.