3. Die EVP – verlässliche Partnerin zur Stärkung der Familien

Als soziales Wesen ist der Mensch auf einen Kreis von Menschen angewiesen, zu denen er volles Vertrauen haben darf. Die Familie, die diese Funktion in der Regel übernimmt und dadurch auch für die Gesellschaft einen wertvollen Beitrag leistet, ist jedoch von vielen Seiten gefährdet. Es bedarf deshalb grosser Anstrengungen, sie in einem gewandelten Umfeld funktionsfähig zu erhalten.

3.1. Die Familie fördern

Familienpolitik dient in erster Linie dem Wohl der Kinder und deren Versorger. Die Betreuung und Erziehung von Kindern im Familienrahmen stellt eine hervorragende Leistung dar, welche die volle Anerkennung und Unterstützung der Gesellschaft verdient.

Familienpolitik befasst sich mit den Problemen, mit denen viele Familien kämpfen, und umfasst Mass-nahmen im Bereich der Ökonomie, der Verbesserung von sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen sowie sozialpädagogische Massnahmen und Kriseninterventionen zugunsten überforderter Familien.

3.2. Die Ehe schützen

Die EVP gibt der Ehe einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Das Eherecht stellt für das verbindliche Zusammenleben von Mann und Frau eine geeignete Grundlage dar. Es basiert auf der Gleichberechtigung der beiden Partner und regelt deren Beziehung in allgemein gültiger Art. Für abweichende individuelle Regelungen lässt es grossen Spielraum.

Die EVP fordert:

  • Förderung der Ehe als privilegierte Rechtsform für das Zusammenleben von Mann und Frau
  • Beseitigung der Diskriminierung der Ehepaare gegenüber Konkubinats-Paaren im Steuerrecht
  • Doppelte statt nur 1,5-fache AHV-Rente für Ehepaare zur Beseitigung ihrer Schlechterstellung in der Altersvorsorge

3.3. Die Existenz von Familien sichern

Die direkten Kosten der Kinder beanspruchen 20 bis 40 Prozent eines durchschnittlichen Familienein-kommens. Kinder können so unter Umständen zum Armutsrisiko werden. Die Sicherung der Arbeits-plätze, besonders auch für alleinerziehende Eltern, ist deshalb sehr wichtig.

Dafür steht die EVP ein:

  • Finanzielle Entlastung der Familien im Steuerrecht
  • Existenzsichernde Familieneinkommen
  • Wahlfreiheit bei der Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit.

Familien- und Berufsarbeit sind aus gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gründen oftmals schwierig zu vereinbaren. Frauen bleiben deshalb häufig kinderlos, heiraten spät und haben wenige Kinder. Über die Hälfte der Mütter von minderjährigen Kindern sind aus wirtschaftlichem Zwang teilweise oder ganz erwerbstätig.

Familienarbeit und Kindererziehung wie auch die Teilnahme am Erwerbsleben können für beide Geschlechter Erfüllung bedeuten. Wie die Eltern diese Aufgaben unter sich aufteilen, müssen sie frei von äusserem Druck selber entscheiden können. Durch Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen ist dafür zu sorgen, dass junge Menschen ihre Familie in der biologisch vitalen Lebensphase gründen und sowohl Väter wie Mütter in Beruf und Familie tätig sein können.

Dafür steht die EVP ein:

  • Mehr Teilzeitstellen für Frauen und Männer zur Erhaltung ihrer Eigenständigkeit und Berufs-kenntnisse, damit Ehepaare eine echte Wahl zur Aufteilung von Berufs- und Erziehungsarbeit haben
  • Anerkennung der geleisteten Familienarbeit für die Karriere, Lohneinstufung, Besteuerung und Altersvorsorge
  • Elternurlaub nach Geburt eines Kindes.

3.4. Das Umfeld für Familien verbessern

Familiengerechte Wohnungen sind Mangelware. Gerade in Städten sind genügend grosse Wohnun-gen für kinderreiche Familien in guten Wohnlagen oft unerschwinglich. Besonders der Verkehr ge-fährdet eine familien- und kinderfreundliche Wohnumgebung.

Dafür steht die EVP ein:

  • Bezahlbare Mieten für Familien
  • Ruhige, sichere Wohnumgebung auch für sozial Schwache und Benachteiligte
  • Schaffung von bedarfsgerechten Örtlichkeiten im Wohnumfeld (z.B. Spielplätze für kleine und grössere Kinder sowie Treffpunkte für Jugendliche)
  • Stärkung der Jugendarbeit
  • Durchmischte Siedlungen zur Vermeidung von Ghettobildung
  • Förderung von genossenschaftlichem Wohnungsbau und Abgabe von Land im Baurecht
  • Förderung von Familien-Wohneigentum
  • Einführung eines Familienpasses, um Kollektiv-Vergünstigungen zu ermöglichen.

3.5. Familienergänzende Betreuungsangebote ausbauen

Die Stabilität von Familien ist geringer geworden. Die Bindung der jungen Generation an den Ort der Herkunftsfamilie ist zurückgegangen. Die Trennung von Wohn- und Arbeitsort sowie berufsbedingte Wohnortswechsel schwächen zusätzlich das angestammte soziale Familien- und Nachbarschaftsnetz. Familien stehen so oft kräftemässig, finanziell und sozial unter grossem Druck. Besonders betroffen sind junge Familien sowie Migrationsfamilien.

Wegen der hohen Scheidungsrate von 50 Prozent und den “Patchwork-Familien” mit Kindern unter-schiedlicher Herkunft nimmt die Unsicherheit zu. Alleinerziehende, vor allem Mütter, stehen oft ohne ausreichende Unterstützung da.

Dafür steht die EVP ein:

  • Schaffung und Förderung von familienergänzenden Betreuungs-Einrichtungen in allen Gemein-den (z.B. Horte, Tagesmütter, private Pflegeplätze)
  • Sozialpädagogische Unterstützungsmassnahmen (insbesondere Förderung von Schulsozialar-beit) mit Beteiligung des Kantons
  • Verbesserung der Rahmenbedingungen für ein gemeinsames Sorgerecht getrennter Eltern.

3.6. Eltern bei der Erziehungsaufgabe unterstützen

Die Werte- und Erziehungsvorstellungen in der Bevölkerung sind pluralistisch geworden. Der Sinn des Lebens und die Erziehungsziele werden immer weniger in der Religion und in der Tradition gesucht und durch anerkannte Autoritäten gestützt, sondern sind viel mehr einer gewissen Beliebigkeit ausge-setzt. Dies führt oft zu Resignation, Vernachlässigung auch der Familienpflege und der Erziehungs-aufgaben. Kindererziehung erfordert Engagement aber auch Kenntnisse.

Dafür steht die EVP ein:

  • Ausbau der Elternbildung in allen Kantonsteilen
  • Verpflichtung zu Erziehungskursen von Eltern, die ihre Erziehungsaufgaben vernachlässigen
  • Unterstützung von Frühinterventionen (z.B. individuelle Familienbegleitung)
  • Ausbau der Beratungsstellen für Kinder und Eltern
  • Verpflichtung der einzelnen Schulen, ihre Organisation, Leitbilder und Erziehungskonzepte allen Eltern allgemeinverständlich und regelmässig zu kommunizieren
  • Förderung eines bedarfsgerechten Angebots von Spielgruppen
  • Intensivierung des Jugendschutzes
  • Ausbau der Wiedereinstiegshilfen in das Berufsleben besonders für Frauen nach der Familien-phase.

3.7. Ausländische Familien integrieren

Immigrationsfamilien aus anderen Kulturkreisen leben oft in zwei Welten, in ihrer Heimatkultur und in der hiesigen. Dieses Spannungsverhältnis ist zu akzeptieren. Einerseits sind ihre traditionellen Werte zu respektieren, anderseits ist die Integration in unsere Sprache, Rechtsordnung und sozialen Nor-men einzufordern und zu fördern. Dem Übergang der ausländischen Jugendlichen von der Schule ins Berufsleben ist besondere Beachtung zu schenken.

Dafür steht die EVP ein:

  • Verpflichtung für fremdsprachige Väter und Mütter zum Erlernen unserer Landessprache
  • Verpflichtung der Gemeinden zu integrativen Fördermassnahmen für Kinder und deren Eltern
  • Förderung von Vereinigungen und Einrichtungen, welche der Integration dienen
  • Personelle, organisatorische und finanzielle Entlastung derjenigen Schulen, die einen überdurchschnittlich hohen Anteil an fremdsprachigen und sozial benachteiligten Familien aufweisen, durch den Kanton
  • Kein Schulabgänger ohne Ausbildung, und dafür Förderung von Ausbildungsplätzen.

3.8. Der Jugendverwahrlosung und Jugendgewalt einen Riegel schieben

Kinder- und Jugendkriminalität( Gewalt, Diebstahl, Sexualdelikte usw.) sind eine gesellschaftliche Realität.

Dafür steht die EVP ein:

  • Ausbau der Beratungsstellen zur Früherfassung und Behandlung von Entwicklungsstörungen
  • Neben integrativem Schulunterricht in Normschulen: Kleinklassen und Sonderschulen für verhaltensauffällige Kinder
  • Förderung von offener Jugendarbeit in Zusammenarbeit mit Organisationen
  • Unterstützung friedensfördernder Projekte für Kinder und Jugendliche
  • Nachhaltige Hilfen bei Erziehungsnotständen in Familien
  • Rasche und wirksame Ahndung von Regelverstössen von Kindern und Jugendlichen durch Schulbehörden und Jugendanwaltschaften und dafür Ausbau ihrer Personalbestände
  • Einschränkung von Pornographie- und Gewaltdarstellungen in den Medien.